Neuerungen im Online-Banking: Was sich mit PSD2 für Verbraucher ändert

Wahrscheinlich hast du sie auch – die bequeme Banking App auf dem Handy.Aber, Vorsicht ist geboten. Online Banking Betrug und Sicherheit im Online Banking sind in jüngster Zeit in aller Munde.

Nicht nur bei den neuen Online Banken, sondern auch bei der guten alten Hausbank um die Ecke, haben sich immer wieder Lücken in der Sicherheit aufgetan. So ist es Betrügern gelungen falsche Konten zu eröffnen und große Summen Geldes zu erbeuten.

Gastartikel

Unter anderem, um für mehr Sicherheit im Online Banking zu sorgen, hat die Europäische Union vor Kurzem eine neue Richtlinie veröffentlicht: PSD2, „Payment Service Directive 2“.

Wahrscheinlich hat dich deine Bank schon mit einem Schreiben über die „Änderung der Vertragsbedingungen“ informiert. Dahinter stecken die neuen EU-Richtlinien, deren Umsetzung das gesamte Zahlungssystem von Grund auf verändern soll.

Was das praktisch für dich bedeutet und was du zu deiner eigenen Sicherheit beitragen kannst , erläutert dir die auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalmarktrecht tätige Rechtsanwältin Corinna Ruppel.

Welche Änderungen treten durch PSD2 ein?

Seit Beginn des letzten Jahres (13. Januar 2018) gelten schon die neuen Richtlinien. Mit diesen traten neue Haftungsbestimmungen und einfachere Gebührenregelungen in Kraft. Da die Umsetzung der technischen Änderungen allerdings viel Zeit in Anspruch nahm, bemerken wir als Verbraucher sie erst seit kurzer Zeit.

Ab dem 14. September 2019 werden die neuen Regeln für das Online Banking und das Zahlen mit der Kreditkarte beim Online Shopping erstmals greifen. Somit musst du viele deiner Zahlungen in Zukunft doppelt bestätigen, in vielen Fällen mit einer zusätzlichen TAN Nummer. Die Händler hingegen dürfen künftig keine Gebühren mehr erheben, wenn du mit Kreditkarte bezahlen möchtest.

PSD2 und dein Girokonto

Die wichtigsten Änderungen betreffen direkt dein Girokonto. Wenn du bisher deine Online Überweisungen mit einer iTAN Liste (Papierliste) bestätigt hast, ist dies in Zukunft nicht mehr möglich. Die Banken setzen nun auf einen dynamischen Faktor, der in den meisten Fällen eine App der entsprechenden Bank für dein Smartphone ist. Auch beim Login werden ab Mitte September TANs durch den zweiten Sicherheitsfaktor abgefragt, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Zugriff durch Drittanbieter mit PSD2

Was so simpel klingt ist das wirklich Revolutionäre an der neuen Richtlinie. Du kannst Drittanbietern, wie zum Beispiel Zahlungsdiensten und Finanzapps, erlauben, auf dein Girokonto zuzugreifen. Damit ist das Monopol deiner Bank gebrochen, als einziger auf Dein Konto zuzugreifen.

PSD2 regelt diesen Zugriff durch Drittanbieter und sorgt für eine einheitliche Regelung, was besonders dich als Verbraucher schützt. So kannst du ihnen die Ermächtigung über dein Konto erteilen und dich trotzdem auf einen sicheren und einheitlichen Standard verlassen.

Für die Drittanbieter ist es demnach eine Voraussetzung, bei der Finanzaufsicht BaFin registriert zu sein. Allerdings sollte man stets hinterfragen fragen wirklich den Zugriff auf das Konto erlauben will.

Was sollen die Richtlinien der PSD2 erreichen?

Im Fokus steht die Sicherheit des Online Bankings für den Verbraucher. Die Zwei-Faktor-Autorisierung soll es vor allem den Betrügern erschweren, an dein Vermögen zu gelangen. Von nun an benötigst du für deinen Login nämlich nicht nur deinen PIN, sondern auch den dir über das Smartphone zugesendete TAN, und damit zwei voneinander unabhängiger Übertragungswege. Einmal Wissen (Pin) und einmal Besitz (Smartphone für TAN).

Bei Online Zahlungen reicht es nicht mehr, wenn du Kartendaten und Kontonummer oder Nutzername und Kennwort eingibst. Ein zweites, andersartiges Merkmal wie ein Fingerabdruck oder eine SMS ans eigene Smartphone sind nötig, um die die Bezahlung abzuschließen.

Darüber hinaus sinkt deine Selbstbeteiligung im Falle eines möglichen Betrugs von 150 auf 50 Euro.

Durch die neuen Richtlinien verlieren die Banken ihr Monopol, mit dem sie als einzige Instanz Einblicke in deine Finanzen hatten. Dies sorgt für eine höhere Konkurrenz unter den Anbietern. Denn nun können auch andere Unternehmen dir aufgrund deines Verhaltens in der Finanzwelt beispielsweise Angebote über Investitionen unterbreiten. Auch der Vergleich der verschiedenen Zinsen der Tageskonten wird deutlich vereinfacht.

Welche Folgen hat PSD2 für mich als Verbraucher?

Mit der Umsetzung der neuen EU-Richtlinie kommen viele Fragen auf. Im Folgenden möchte ich dir auf die wichtigsten ein paar Antworten geben:

Kann ich jetzt nur noch mit der App auf mein Konto zugreifen?

Den direkten Zugriff auf dein Konto kannst du immer noch am Computer ausführen, allerdings benötigst du noch einen „dynamischen Faktor“. Welcher das ist, legen die Banken fest.

Neben einer App für dein Smartphone, die in den meisten Fällen kostenlos zu installieren ist, bieten einige Banken auch noch einen TAN Generator an. Dieser ist allerdings häufig kostenpflichtig. Eine weitere Alternative ist der mTAN, der als SMS direkt auf dein Handy geschickt wird.

Gibt es noch zusätzliche Methoden, wie ich mich vor Betrügern schützen kann?

Für die Sicherheit im Online Banking bleiben die bisher bekannten Tipps bestehen. Hier eine kleine Erinnerung:

  • Schütze deinen PC mit einer Anti-Viren-Software
  • Vermeide es, in öffentlichen und fremden Netzwerken das Online Banking zu nutzen
  • Verwende ein zusätzliches Passwort für die Banking App auf dem Smartphone
  • Schütze dein Smartphone mit einem Passwort
  • Halte deine Software auf dem aktuellsten Stand

Über die Autorin

Rechtsanwältin Corinna Ruppel, L.L.M. nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialist und Syndikusanwältin um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt Sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber. Corinna Ruppel studierte in Deutschland und den USA. Neben der deutschen Zulassung hat sie einen Master im amerikanischen Recht und war zwölf Jahre bei einem führenden deutschen Geldinstitut beschäftigt, bevor Sie sich 2013 mit CDR Legal als Anwältin in Rosenheim selbstständig machte.

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